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Fair zur Natur im Jänner

Smart Phones?

 

Schickes Lifestyle-Objekt oder einfach nur moralisch verwerflich?
Beschäftigt man sich mit der Produktion von Smartphones, so tun sich recht rasch tiefe, dunkle Gräben auf. Kinderarbeit, Umweltzerstörung und sogar  Bürgerkriege stecken hinter diesen flinken Wundergeräten; Da fragt man sich zurecht: Ist das tatsächlich so smart?

Edles Design, aufpolierte Metallflächen, hochauflösende Kameras - Smartphones sind längst zum Lifestyle-Objekt geworden. Das neueste iPhone ist da? Na, wunderbar - das alte hat eh schon mindestens 2 kleine Kratzer am Display! Und so wächst der Elektroschrott-Müllberg Jahr für Jahr. Laut vereinter Nationen wurden im Jahr 2016 weltweit 44,7 Tonnen an ausgedienten Elektrogeräten weggeworfen - Tendenz steigend.

 

Es sind aber nicht nur die Gewohnheiten der Verbraucher, die diese Ressourcen-Verschwendung munter vorantreiben; auch die Produktionsweise von Elektrogeräten im Allgemeinen hat im laufe der letzten Jahre bizarre Formen angenommen. So ist es oft gar nicht möglich, das alte Handy oder den defekten Toaster reparieren zu lassen, beziehungsweise ginge das schon, würde aber mindestens genauso viel wie ein neues Gerät kosten.

 

Prekäre Arbeitsbedingungen

Diese künstlich geschaffene Kurzlebigkeit von Elektrogeräten und vor allem von Smartphones hat aber nicht nur ökologische Folgen. Wer sich mit der Produktion dieser glänzenden Hightech-Geräte auseinandersetzt, wird rasch feststellen, dass gerade innerhalb der IT-Branche besonders prekäre Arbeitsbedingungen vorherrschen. Das beginnt bereits bei der Gewinnung der Rohstoffe für die Speicherplatinen: Die Metalle und Mineralien werden vorwiegend in Afrika abgebaut. Die Minen werden dort von lokalen Warlords kontrolliert, die zu Gunsten des Profits Umweltverschmutzung, gefährliche Arbeitsbedingungen und auch Kinderarbeit in Kauf nehmen. Mit bloßen Händen schürfen Kinder in Afrika nach den Rohstoffen - der Gewinn, der dadurch erzielt wird, fließt zum Großteil Folgekonflikte des Bürgerkriegs im Kongo.

 

Natürlich leidet unter dem steten Abbau von Cobalt, Zinn, Kuper und anderen seltenen Metallen auch die Natur. Oftmals werden zu Gunsten des Rohstoff-Abbaus ganze Regenwälder vernichtet, die natürlichen Lebensräume von Tieren und Pflanzen werden zerstört. Außerdem verbraucht der Abbau Unmengen von Wasser und trägt dazu bei, dass Flüsse austrocknen und auch das Grundwasser wird dadurch empfindlich belastet. Schadstoffe und Schwermetalle, die beim Abbau freigelegt werden, belasten Menschen und die Umwelt gleichermaßen. Sich jedes Jahr ein neues schickes Handy zu leisten, um up-to-Date zu sein, erscheint vor diesem Hintergrund ziemlich grotesk. Smart ist das keineswegs.

 

 

Die bessere Alternative

Aber es  gibt bereits Alternativen: das Fairphone zum Beispiel wird zwar noch nicht vollständig aus nachhaltigen und fairen Materialien hergestellt - das ist im Moment einfach noch nicht möglich - aber man ist auf einem guten Weg.

 

Fairphone-Chef Bas van Abel hat gemeinsam mit seinem Team ein Konzept entwickelt, welches Nachhaltigkeit, Fairness, Transparenz, gutes Design und Langlebigkeit unter einen Hut bringen soll. Dieses Konzept soll in erster Linie dazu führen, dass die großen Smartphone-Hersteller umdenken und ihre bisherigen Lieferketten und Produktionsprozesse überdenken.

 

 

Faire Produktion & Langlebigkeit

Die Platinen für das Fairphone werden - soweit möglich - aus recyceltem Kupfer und Fairtrade-Gold aus Südafrika hergestellt. Auch das Zinn für die Lötpaste und das Tantal für den Kondensator werden ausschließlich aus geprüften und konfliktfreien Minen der Demokratischen Republik Kongo bezogen. Ein wichtiger Schritt zur Minimierung von Elektromüll ist die modulare Bauweise des Fairphones: Ist ein Bauteil kaputt oder veraltet, können einzelne Komponenten einfach ausgetauscht und aufgerüstet werden. Unterstützt wird dieses Projekt übrigens von Fairtrade Österreich.

 

Aber wie gesagt: Trotz dieser positiven Entwicklung ist man im Bereich der Smartphone-Erzeugung von einer 100%ig nachhaltigen und fairen Lösung noch weit entfernt. Doch es beginnt ein Umdenken. Und wie immer gilt: Letztendlich hat der Konsument das Sagen. Wer sich für nachhaltige Produkte entscheidet, tut nicht nur für sich und für die Umwelt etwas, sondern setzt damit auch ein Zeichen. Und je mehr Menschen das tun, desto besser.

 

 

 

 

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